Gemeindebriefe

Gemeindebrief Nr. 202

2019 | Ausgabe 202 | Dezember 2019 - Februar 2020

26.11.2019 | 2,2 MiB

Das ist schon seltsam….

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie widersprüchlich der Advent ist, weil alle Welt einer Hoffnung folgt?

Das Wetter ist grau und ungemütlich. Aber wir folgen einer Hoffnung und machen es hell und heimelig.

Es ist die dunkelste Zeit im Jahr. Aber wir machen Lichter an, am liebsten Kerzen mit ihrem warmen und lebendigen Licht.

Man möchte sich hinter den Ofen verkriechen. Aber wir gehen hinaus auf Weihnachtsmärkte, zum lebendigen Adventskalender und freuen uns auf eine klare Sternennacht oder auf Schnee zu Weihnachten.

Obwohl es kaum gelingt, ein Familienleben unbeschadet zu halten, feiern wir die heilige Familie im Stall. Wir hören von ihrer Armut und feiern unseren Luxus.

Diese ganzen Widersprüche entstehen, weil wir unsere Hoffnung feiern. Und unsere Hoffnung ist so schön, dass sich alle Welt anschließt. Sogar in Japan wird zunehmend Weihnachten gefeiert, obwohl Christen dort nur eine verschwindende Minderheit sind.

Es geht etwas ganz besonderes von Weihnachten aus. Wir hoffen darauf, dass es warm wird zwischen den Menschen und in ihren Herzen, hell in den Gedanken und in den Gesichtern. Wir hören, dass uns eine Zukunft geöffnet wird, die lebenswert ist. Dafür setzen wir viel in Bewegung:
Das Leben soll Spaß machen. Wir schenken viel, das Freude macht – nicht nur den Kindern. Leben, wie wir es uns wünschen, wird sichtbar.

Das alles hat seinen Kern in der Geschichte von der Geburt des Kindes, in dem Gott auf die Welt kommt, Jesus. Die Hoffnung wird neu geboren. Die Zukunft beginnt neu. Die Nacht wird hell. Finsternis verliert ihren Schrecken. Arme und Benachteiligte werden direkt zur Krippe eingeladen. Himmlischer Jubel macht uns leicht und froh.

Leider sind es nur ein paar Tage am Ende des Jahres, in denen alle Welt der Hoffnung folgt.
Denn so gern viele Weihnachten feiern – nach den Festtagen kehren sie in den grauen Alltag zurück. Muss das so sein?

Wir könnten die Hoffnung fortsetzen bis weit in das neue Jahr hinein. Wir könnten es dort hell machen, wo Leben düster ist, und Wärme und Freude dort hinbringen. Im Advent und zu Weihnachten schaffen wir das ja auch.

Mit Gottes Hilfe wäre das auch im neuen Jahr möglich.

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24) ist die Bitte eines Vaters, der Jesus um das Leben seines Kindes bittet.

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ könnte unsere Bitte sein, wenn wir um neues Leben für das neue Jahr  bitten -- gutes, erfülltes, helles und hoffnungsvolles Leben in 2020

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ ist die Jahreslosung für das neue Jahr. Mit Gottes Hilfe können wir das neue Jahr mit Leben füllen.

Ein gesegnetes Jahr 2020 wünscht Ihnen

Uwe Büttner, Pastor

Gemeindebrief Nr. 201

2019 | Ausgabe 201 | September - November 2019

26.08.2019 | 2,7 MiB

Denk mal nach am Reformationstag

Was Martin Luther wohl zu den Denkmälern sagen würde, auf denen er selbst zu sehen ist? Zum Beispiel in Hannover vor der Marktkirche. Oder in Wittenberg auf dem Marktplatz. Oder die etwa ein Meter große Figur aus blauem Hartplastik, die hier auf dem Bild zu sehen ist. Würde er sich geschmeichelt fühlen oder würde er sich aufregen und laut schimpfen? Oder würde er einfach nur laut lachen? Und es gibt ja nicht nur Luther-Statuen. Auch Straßen sind nach ihm benannt, Kirchengemeinden und Schulen. Für uns Protestanten ist er so wichtig, dass wir nun dauerhaft am 31. Oktober frei haben. Und mit uns alle Menschen in Norddeutschland. Das hätte Luther vielleicht am meisten gefallen. Ein freier Tag. Ein geschenkter Tag. Ein Feiertag. Ohne Arbeit, ohne Schule, ohne Verpflichtungen. Ein Tag mit tausend Möglichkeiten: Ausruhen und Pause machen. Einen Gottesdienst oder ein Konzert besuchen. Oder einfach gar kein Programm, sondern mal wieder etwas lesen oder einfach zuhause sein und nachdenken. Das eigene Hirn benutzen – das war Luther besonders wichtig. Nicht andere denken lassen, sondern sich selbst eine Meinung bilden, die Möglichkeiten nutzen, mit denen uns Gott ausgestattet hat. Für Luther ging es dabei vor allem um den eigenen Glauben. Wir Menschen sind in der Lage, selbst in der Bibel zu lesen und unserem Gott bewusst im eigenen Leben zu begegnen. Mit ihm können wir uns auseinandersetzen. Und das durchaus kritisch. Zu dieser Freiheit hat uns Christus befreit – so steht es im Galaterbrief (Kapitel 5,1) bereits in der Bibel. Aber es ist keine Freiheit, die aus uns selbst kommt, sondern sie ist in Gott begründet. Und diese Freiheit dient nicht nur unserer eigenen Selbstverwirklichung, sondern ist immer auf unsere Mitmenschen bezogen. Im Galaterbrief (5,13) wird das so beschrieben: Durch die Liebe diene einer dem anderen.

Am Reformationstag geht es nicht um die Person Martin Luther. Es geht um uns selbst. Der Feiertag erinnert uns daran, dass wir Menschen – jeder Einzelne – für Gott im Mittelpunkt stehen. Wie ein Denkmal auf dem Marktplatz. Aber wir sind nicht dazu verdammt, still auszuharren und das Leben zu ertragen wie eine Figur aus Stein. Wir können das Leben frei gestalten – für und mit anderen. Daran hat Martin Luther erinnert.

Einen entspannten und nachdenklichen Reformationstag wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Ricarda Schnelle

Gemeindebrief Nr. 200

2019 | Ausgabe 200 | Juni - August 2019

20.05.2019 | 2,8 MiB

Liebe Leserin, lieber Leser,

herzlich willkommen im Sommer-Gemeindebrief! Bei uns in der Kirchengemeinde wird es über den Sommer etwas ruhiger zugehen. Die Gemeinde geht auf Energiespar-Modus. Alle Mitarbeitenden machen nach und nach Urlaub, eine Kollegin ist 2 Wochen auf Jugendfreizeit, und so wird es über die Ferienzeit auch nur je einen Sonntagsgottesdienst zwischen Sehnde, Haimar und Rethmar geben. So praktizieren wir es schon seit einigen Jahren.

Im Pfarrbüro wird diese ruhige Zeit durchaus genossen. Endlich können mal Dinge abgearbeitet werden, zu denen über´s Jahr keine Zeit bleibt: Alte Akten schreddern zum Beispiel. Muss auch gemacht werden.

Eine ruhige Zeit im Jahr braucht man. Am besten sogar mehrere. Nicht nur die Sommerferien, sondern auch die christlichen Fest- und Feierzeiten dienen zum Innehalten und Pause-Machen. Zeiten, um die Familie zu besuchen oder Besuch zu empfangen. Zeit zum Wandern, Radeln und Schwimmen, Zeit für gutes Essen und Geselligkeit, vielleicht auch Zeit für Gott: Eine Kerze in einer Kathedrale in Frankreich anzünden; An einem Strandgottesdienst auf Borkum teilnehmen, Pilgern….

Heilsame Unterbrechungen des Alltags, in denen wir uns regenerieren und den Energieverbrauch etwas absenken, das ist gut, das ist gottgewollt, denn am siebten Tage machte Gott „Urlaub“, um seine wunderbar gelungene Welt zu betrachten und zu genießen. Wir dürfen und sollen das ebenfalls - nur, mit dem Runterfahren des Energiehaushaltes funktioniert es nicht so gut. Für den perfekten Urlaub wird oft sehr viel Energie aufgewandt. Ob mit dem Flieger, dem Kreuzschiff oder auch nur mit dem Auto – unser Urlaubsverhalten kostet. Kostet uns Geld und nach 6 Stunden im Stau auch Nerven. Kostet bei immer größeren Touristenschwärmen auch die Natur Einiges. Überall wollen wir hin schwärmen, alles sehen, jeden Berg bekraxeln, auf dem Eis herumdüsen und in der Wüste Motorrad fahren. Dabei hinterlassen wir unsere Spuren bis in den letzten Winkel des Planeten hinein.

Unsere Bewegungsund Erkundungsfreude ist eigentlich schön, schafft ja auch Arbeitsplätze…. aber unserer Erde bleiben keine Ferien, um mal runterzufahren, sich zu erholen.

Ich habe auch kein Patentrezept, wie man das alles lösen kann. Dazu reise ich selbst viel zu gern. In diesem Jahr versuche ich es mal mit dem Fahrrad. Durch Frankreich. Ich werde mir Zeit nehmen und langsamer unterwegs sein als sonst. Da ich schon mindestens meine halbe Lebenszeit verbraucht habe (bei nicht so toller Ökobilanz!) werde ich die Zeit nutzen, um in Ruhe darüber nachzudenken, wie ich die nächsten Jahre etwas schonender und nachhaltiger gestalten kann. Für mich selbst, für meine Mitmenschen und für die Umwelt.

Einen schönen Sommer im Energiesparmodus wünscht

Ihre Damaris Frehrking

Gemeindebrief Nr. 199
Gemeindebrief Nr. 199

2019 | Ausgabe 199 | März 2019 - Mai 2019

18.02.2019 | 2,6 MiB

Hinter der Maske verstecken? Wie sich ein Kostüm auswirken kann

Im tiefsten Süden Deutschlands werden sie reihenweise aufgeweckt. Sie springen. Sie tanzen. Sie treiben Schabernack. Die Narren sind los.

Sie treiben Fastnachtsflüchtlinge in den ruhigen Norden und holen die Verkleidungskünstler zu sich. Es tummeln sich nun Prinzessinnen, Cowboys, Batmans, Engel und viele mehr auf den Straßen. Oftmals denken die Menschen monatelang darüber nach als was sie sich verkleiden wollen. Wen wollen sie darstellen? In welche Rolle wollen sie schlüpfen? Welches Wesen könnten sie sein? Der Reiz jemand anderes zu sein, treibt sie an. Nicht man selbst sein zu müssen. Doch manche Kostüme haben sich so gut bewährt, dass sie über Jahre hinweg gehegt und gepflegt werden, damit sie Jahr für Jahr das Entfliehen aus dem Alltag ermöglichen.

So geht es mir mit meinem Supergirlkostüm, das ich mir mit 15 oder 16 Jahren genäht habe. Erst verstaubte es bei meiner Mutter im Schwarzwald in unserem Kostümfundus. Doch dann fiel es mir wieder ein und ich zog es wieder an. Es fühlte sich immer noch so gut an, wie beim ersten Mal auf dem Fastnachsumzug in Zell am Harmersbach, wo ich herkomme. Ich hatte das Gefühl unendlich stark zu sein und fliegen zu können. Es war schön sich in Supergirl einfühlen zu können und zu glauben, die Welt retten zu können. Die Latein- und Griechischprüfungen waren vergessen, die Hausarbeit über mittelalterliche Mystik ebenfalls. Der Rosenmontagszug kam und ging.

Dann kam der Aschermittwoch. Da wachte ich auf und bin wieder nur ich selbst. Nur? Nein, die Tage zuvor habe ich eine Ahnung erhalten, was ich auch sein könnte. Ob negativ oder positiv. Der Gedanke, wie ich sein will, wurde mir dann mitgegeben in die Fastenzeit, in die Vorbereitung auf Ostern. Was bin ich? Wer bin ich? Ist es gut so, wie ich bin?

Wieso hat die Frage nach dem, was ich bin oder sein könnte, etwas mit der Vorbereitung auf Ostern zu tun? Der Karfreitag erinnert uns Christen daran, was wir Menschen auch sind oder sein können. Wir können Menschen sein, die es sich schwer machen können mit Gott. So schwer, dass Gott zu einem so radikalen Schluss kommt und sich für uns opfert. Doch dadurch gibt er uns die Chance, dass wir neuanfangen können. Weil Gott uns annimmt, können wir uns annehmen. So ist es möglich, dass in jedem von uns auch mal das Supergirl oder der Superman erwacht und über den Aschermittwoch hinaus uns dazu bringt über uns hinauszuwachsen, weil Gott es uns möglich macht.

Ich wünsche Ihnen eine aufregende Fastenzeit und dann Frohe Ostern!

Friederike Schweize