Gemeindebriefe

Gemeindebrief Nr. 197
Gemeindebrief Nr. 197

2018 | Ausgabe 197 | September - November

26.08.2018 | 3,6 MiB

Wenn einer von uns beiden stirbt

„Wenn einer von uns beiden stirbt, zieh ich nach oben". Das hat meine Oma immer gesagt. Wir haben viel über diesen Spruch gelacht. Am Ende ist sie zuerst gegangen. Meinem Opa fiel es schwer, das große Haus allein zu bewohnen. Das letzte Jahr seines Lebens konnte er bei meiner Tante verbringen. Das war ein mutiger Schritt – für beide Seiten.

Wo will ich leben, wenn ich alt bin und vielleicht auf Hilfe angewiesen bin? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Viele Menschen scheuen sich davor, das Thema zu besprechen oder Entscheidungen zu treffen. Das Haus aufgeben und in eine Wohnung zu ziehen? Haben die Kinder Zeit und Raum oder doch lieber einen Platz in einer Seniorenresidenz reservieren?

„Wenn einer von uns beiden stirbt, zieh ich nach Sylt". Diesen Spruch habe ich neulich in der Stadt auf einer Postkarte gelesen. Es ist eine Comiczeichnung, ein altes Ehepaar sitzt auf dem Sofa beim Kaffee. Ich musste lachen, als ich die Karte gesehen habe.

In der Bibel fährt keiner nach Sylt, aber diesen Vers habe ich gefunden: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden (Psalm 90,12). Genau das tun diese „Wenn-einer-von-uns-stirbt-Sprüche". Sie bedenken, dass wir sterben müssen – auf ihre ganz eigene und humorvolle Art. Es kommt die Zeit, da wird einer gehen. Der Partner, die Mutter, der Opa. Wer zuerst dran ist, wissen wir nicht. Es ist gut darüber nachzudenken, wo man selbst oder die Angehörigen leben können. Wie sich ein Leben gestalten kann, wenn nichts mehr ist wie vorher.

Im Alltag kommen solche Themen oft zu kurz. Aber im Urlaub oder an freien Tagen, wenn Ruhe einkehrt ins Leben und in die Gedanken, dann ist manchmal Platz, sich mit den grundlegenden Fragen des Lebens zu beschäftigen. Also: Ab nach Sylt – oder woanders hin! Aber nicht erst, wenn einer gestorben ist. Sondern jetzt. Jetzt ist die Zeit für „Wir müssten auch mal wieder". Jetzt ist die Zeit zu bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Herzliche Grüße

Ihre

Pastorin Ricarda Schnelle

 

2018 | Ausgabe 196 | Juni - August
Gemeinde

2018 | Ausgabe 196 | Juni - August

27.05.2018 | 1,7 MiB

Gastfreundschaft, auch im Garten!

Die unverdrossne Bienenschar / fliegt hin und her, such hier und da / ihr edle Honigspeise.
Der Weizen wächset mit Gewalt,/ darüber jauchzet jung du alt und rühmt die große Güte / des, der so überfließend labt / und mit so manchem Gut begabt / das menschliche Gemüte.

Paul Gerhard hat diese Zeilen in dem Lied „Geh aus, mein Herz …“ 1653 gedichtet.

So war es einmal!
Aber so ist es nicht mehr!

Sie haben die Stichworte Bienensterben und Insektensterben sicherlich schon gehört. Und nicht nur die Insekten, die wir nach einer Überlandfahrt von der Windschutzscheibe unseres Autos waschen müssen, sind deutlich weniger geworden. Auch der morgendliche Gesang der Vögel ist „dünner“ geworden. Denn Vögel ernähren sich zu großen Teil von Insekten und finden einfach weniger Nahrung. Also gibt es immer weniger Vögel bei uns.

So wie den Vögeln könnte es auch uns bald gehen. Einen großen Teil der Feldfrüchte können wir nur ernten, nachdem die Pflanzen vorher von Bienen und anderen Insekten bestäubt worden sind. Sind immer weniger Insekten da, wird auch die Ernte, von der wir leben, immer kleiner ausfallen. Landwirtschaft und Gesetzgebung wissen lange von dieser Entwicklung und versuchen mit den neuen Verboten (Verbot von Neonikotinoiden und Verbot von Glyphosat), darauf zu reagieren. Doch es wird länger dauern, bis diese Verbote Wirkung zeigen.

Außerdem gibt es noch ein anderes Problem. Ein großes blühendes Rapsfeld ist nicht nur auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, sondern bietet diesen Insekten auch Nahrung --allerdings nur für die begrenzte Zeit der Blüte. Während Honigbienen von ihrem Imkern nach der Rapsblüte an andere Standort gebracht werden, wo sie weiterhin Nahrung finden, werden Wildbienen und andere Insekten, die auf Blüten angewiesen sind und in naher Umgebung kaum noch Nahrung finden, in ihrer Existenz bedroht.

Hier können wir helfen mit unseren Vor- und Hausgärten.

Insekten- und Vogelschützer bezeichnen Vor- und Hausgärten gern als „Grüne Wüsten“, weil auch hier mit zu viel Chemie umgegangen wird, kurz gemähte Rasenflächen Tieren kaum Lebensraum lassen und viele der oft exotischen Garten- und Zierpflanzen vielen Nützlingen unter unseren einheimischen Kleinlebewesen keine Nahrung bieten.

Meine Großeltern haben, solange es ihnen möglich war, von ihrem Garten gelebt. Täglich gingen sie hinein, um jedes Unkräutchen gleich zu beseitigen. Aber da sie praktisch ohne Gifte und Chemie arbeiteten, summte und schwirrte es ständig in ihrem Garten, wenn neben Obstblüten, Stachelbeer- und Bohnenblüten auch das eigene Blumenbeet praktisch den ganze Sommer über von Schmetterlingen umschwärmt wurde und den Bienen Nahrung bot.

Unsere Vor- und Hausgärten könnten für Wildbienen und andere Insekten oft sehr viel „gastfreundlicher“ gestaltet werden, wenn Wiesenblumen dort blühen dürfen und Stauden gepflanzt werden, die in ihrer langen Blütezeit Schmetterlinge und viele Insekten anlocken -- wenn auch „Bienenhotels“ oder andere Rückzugsräume für kleine Fluginsekten angeboten werden und diese vielen Nützlinge so nicht in Gefahr geraten, sondern bei uns Orte zum Bleiben finden, nachdem die großen Felder abgeerntet sind.

Die erste Schöpfungsgeschichte in der Bibel ist über zweieinhalbtausend Jahre alt. Und sie beschreibt bereits, dass Gott die Welt so geschaffen hat, dass Leben und Lebensbedingungen auf der Erde aufeinander aufbauen. Wir Menschen können nicht leben, ohne die Basis unseres Lebens. Die Bienen und viele andere kleine Tiere gehören zur Basis unseres Lebens. Und wir leben nicht mehr in der Zeit, in der jedes Unkräutchen, jedes Insekt vernichtet werden muss. Im Gegenteil: Wir sind in der Zeit angekommen in der wir ihnen bewusst Raum geben müssen, wenn wir uns nicht selber diese Basis unseres Lebens zerstören wollen.
Unser Monatsspruch zum Juni ist ursprünglich auf Menschen bezogen. Er macht uns darauf aufmerksam, dass wir gastfreundlich sein sollen und keine Menschen aussperren, auch nicht wenn sie Fremde sind, mit anderer Sprache, anderem Glauben, anderen Gewohnheiten. Habt keine Angst vor ihnen, sondern seid gespannt, ja freut euch auf das Neue und Gute, dass sie bringen können. Sie könnten sogar Engel sein, die von Gott zu euch gesandt werden.

Denn in dem Monatsspruch heißt es:
Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. (Hebräer 13,2)

Aber wir sperren eben nicht nur Leben und Hoffnung aus, wenn wir Menschen in Not abweisen und nicht gastfreundlich sind. Auch unsere Vor- und Hausgärten können wir „gastfreundlicher“ gestalten.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer, in dem Ihnen fröhliche Menschen begegnen, die Sie dann vielleicht einladen können in Ihren fröhlich summenden Garten mit vielen bunten Schmetterlingen.

Ihr Uwe Büttner, Pastor

2018 | Ausgabe 195 | März - Mai
Gemeinde

2018 | Ausgabe 195 | März - Mai

20.02.2018 | 1,9 MiB

7 Wochen ohne - Zeig dich!

Wie oft habe ich schon gekniffen! Ganz fest hatte ich mir vorgenommen, eine Sache anzusprechen, die mich wurmte. Ganz professionell und sachlich, so, wie ich das gelernt habe. Und dann? Dann läuft es doch wieder so, dass ich mit allen möglichen Leuten über die Sache rede, nur nicht mit der Person, die es eigentlich betrifft. Gekniffen!

Wir kneifen alle öfter mal. Uns fehlt der Mut, eine unliebsame Aufgabe anzugehen oder mit jemandem ein klärendes Gespräch zu führen. Denn so etwas ist unsicheres Gelände. Wir wissen nicht, wie der Andere reagieren wird. Oder ob es uns selbst gelingen wird, ruhig zu bleiben.
Im Kneifen können wir Menschen es zur Perfektion bringen. Viele unliebsame Dinge verdrängen wir. Das Dumme ist nur: Sie haben die Angewohnheit, sich in uns zu verselbständigen. Sie bringen Nackenschmerzen, Schlaflosigkeit und Herzklopfen mit sich.

Die Fastenaktion der Landeskirche lädt uns in diesem Jahr ein, mutiger zu sein, ehrlich und klar. Der Wahrheit ins Auge zu sehen! Vielleicht ist es endlich an der Zeit, mit den Kindern die Patientenverfügung und die Frage nach den „letzten Entscheidungen“ anzugehen. Vielleicht ist es an der Zeit, eine Endlosschleife von Missverständnissen und Enttäuschungen endlich mal zu beenden und zu sagen: „Komm, lass uns bitte mal eine Stunde in Ruhe reden, ich habe da ein paar Sachen auf dem Herzen die mich belasten und uns auseinandertreiben!“

Wenn ich Angst habe und schon wieder kneifen will, kann ich erstmal mit meinem Gott ins Gespräch gehen. „Hast du einen Rat für mich, eine Idee? Gib mir Mut, auf die Sache zuzugehen, vor der ich mich scheue!“

Als Jesus unterwegs war um Jünger zu sammeln und von Gott zu erzählen, da hat er viele ermutigt, klare Entscheidungen zu treffen. Er ist auf Menschen zugegangen die den meisten zu anstrengend oder unangenehm waren. Er hat den Mächtigen unliebsame Wahrheiten vor Augen geführt. Als sie ihn ausschalten wollten, hat er nicht gekniffen, sondern ist seinen Weg konsequent bis zum Ende gegangen. Ein großes Opfer, aus dem die Menschheit Vieles lernen kann: Jede Gemeinschaft lebt von Opfern. Von großen oder kleinen Kompromissen. Davon, dass ich mich auch verletzen lasse. Gott hat mit Jesus gezeigt, dass er bis zum Letzten bereit ist, auf diese Weise mit uns in Gemeinschaft zu sein und zu bleiben. Er hat seine Allmacht geopfert, um uns freizulassen. Seine Unverletzlichkeit hat er geopfert, um uns auch im Leiden nah zu sein.

Ich will versuchen nicht zu kneifen, wenn das Leben mir ein Opfer oder ein mutiges Wort abverlangt, aber ich brauche Gottes Hilfe: So wie Mose den Mut hatte, zum Pharao zu gehen und eine Aufgabe zu übernehmen, die ihm viel zu groß erschien, so können auch wir Gott um Hilfe bitten, wenn das Leben uns Mut, Ehrlichkeit oder auch ein klares Bekenntnis abverlangt. Oft können wir dann wie er erfahren, dass unser Vertrauen uns auch durch stürmische Gewässer trägt und am Ende ein neuer Anfang möglich ist.

Ihre Damaris Frehrking, Pastorin

Gemeindebrief Nr. 194

2017 | Ausgabe 194 | Dezember - Februar

20.11.2017 | 3,2 MiB

„So kann es nicht weitergehen. Ich will, dass sich etwas ändert!“

haben viele beim Ankreuzen der Wahlzettel im Herbst 2017 deutlich gemacht. Sie zeigen damit, dass sie sich Sorgen machen.
„So kann es nicht weiter gehen. Ich will, dass sich etwas ändert!“ hat auch Gott gesagt, weil er sich Sorgen macht, wie es mit uns weitergehen soll.

Gottes Antwort kennen wir. „Ich mache einen neuen Anfang. Ich sende meinen Sohn in die Welt!“ Ganz klar wird das in dem Lied „O du fröhliche…“, das wir am Ende jedes Weihnachtsgottesdienstes singen. Denn da heißt es kurz und treffend: „Welt ging verloren -- Christ ist geboren!“

Wir sorgen uns um Gegenwart und Zukunft, orientieren uns aber an dem, was wir kennen, am Alten. Das macht Gott anders. Er schenkt uns etwas Neues, das es vorher so nicht gab. Das unterscheidet ihn von uns. Und das feiern wir jedes Jahr als große Überraschung, als großes Geschenk zu Weihnachten: Jesus wird geboren, ein neuer Mensch, eine neue Hoffnung, ein neuer Weg Gottes zu uns Menschen. Aber so harmlos, wie Weihnachten und die Geburt eine kleinen Kindes zunächst erscheinen, ist es nicht. „So kann es nicht weitergehen. Ich will, dass sich etwas ändert!“ Gott meint das ernst. Nur … wollen wir das auch? Jesus spricht vom Reich Gottes und zeigt damit, wie wir uns und unser Leben ändern können. Die herrschenden Verhältnisse sind Gott sei Dank nicht ewig. Doch Jesus erfährt leider auch, dass wir uns gar nicht ändern wollen.

So gibt es seit der Geburt Jesu Christi zwar eine schmale Spur hoffnungsvoller Veränderungen, die unter allen Menschen zu finden ist und die es ohne ihn so nicht geben würde: Allgemeine Menschenrechte, soziale Sicherungssysteme und politische Bewegungen, die sich für Arme und Hilflose einsetzen, gehören zu dieser schmalen Spur hoffnungsvoller Veränderungen. Es gibt aber eben auch und immer wieder neu den Widerstand dagegen, die Kälte, Härte und Engstirnigkeit, mit der wir einander begegnen, wenn wir für uns selber nur das Beste wollen und anderen dadurch das Leben zur Hölle machen. Jesus hatte genau das erfahren, als er ans Kreuz geschlagen wurde.

In unserem Durst nach Leben graben wir anderen das Wasser ab -- im übertragenen Sinne und wortwörtlich. Denn wir sehen, wie sich Dürre und Hunger als Folge von Misswirtschaft und Klimawandel tatsächlich immer weiter ausbreiten, Kriege und Flüchtlingsströme vor sich hertreiben und Wetterextreme auch hier bei uns zunehmen. So kann es eigentlich nicht weitergehen. Aber es wird weitergemacht.

Das Gute ist, dass Gott seine Hoffnung für uns trotzdem nicht aufgibt. „So kann es nicht weitergehen.“ sagt er und lässt Christus für uns auferstehen.
Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6) Das ist die Jahreslosung, die uns durch das Jahr 2018 begleiten wird.

Und wenn es noch einen langen Kampf braucht wie im biblischen Buch der Offenbarung beschrieben, bevor Gottes Sorge und Hoffnung uns tatsächlich bewegen, so bleibt doch klar: Er setzt sich weiter für uns ein. Er glaubt an uns, gräbt uns das Wasser nicht ab, knausert nicht mit Leben und Lebensmöglichkeiten, sondern beschenkt uns.

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Sagt Gott. Ich weiß daher: Mein Leben ist Gottes Geschenk. Und ich kann deshalb auch schenkend damit umgehen. Nicht anderen das Wasser abzugraben, sondern ihnen den Zugang zur Quelle des Lebens zu zeigen, ihnen Leben zu gönnen und zu ermöglichen, das entspricht jener neuen Spur der Veränderung, die mit Jesus beginnt. So wird dies ganze kommende Jahr zu einem neuen Raum für geschenktes Leben. Nehmen wir Gottes Geschenk an und schenken wir es weiter, an unsere Lieben, aber eben auch an jeden anderen Menschen. Dann wird es Veränderungen geben. Sie werden sehen!

Ein gesegnetes Jahr 2018 wünscht Ihnen Ihr Uwe Büttner, Pastor