Gemeindebriefe

Gemeindebrief Nr. 188

2016 | Ausgabe 188 | Juni - August

10.05.2017 | 1,6 MiB

Vor der Urlaubsreise

„Du, Schatz, ich habe Dir gerade einen Christophorus an den Rückspiegel gehängt.“
„Was hast Du an den Rückspiegel gehängt?“
„Na, einen Christophorus! Du weißt schon .... so eine Plakette mit dem Heiligen, der auf der Reise schützen soll.“
„Komm, lass die Spielerei. Wir müssen packen. Schließlich ist die Zeit knapp, um die Fähre nach Schweden noch zu erreichen. Und lass bitte alles weg, was mir im Blickfeld herumbammelt. Das halte ich nicht aus. Im Handschuhfach ist dafür noch genug Platz.“
„Aber Schatz! Ich finde es total wichtig, gerade wenn wir es eilig haben, auch daran erinnert zu werden, wenn die Plakette während der Fahrt am Spiegel hin und her pendelt.“
„Woran wirst Du denn erinnert?“
„Na zunächst an Christophorus. Der soll doch Menschen auf seinen Schultern durch einen reißenden Strom getragen haben – so wie heute eine Fähre. Und dann hat er das Jesuskind durch den reißenden Strom getragen und mit ihm die ganze Last der ganzen Welt --- oder die ganze Last der Verantwortung für die ganze Welt. Niemals vorher war ihm etwas zu schwer geworden. Aber unter dem kleinen Kind auf den Schultern wäre er beinahe zusammengebrochen. Und Christophorus begann, Jesus zu bewundern, weil der ständig diese unglaubliche Last mit sich tragen muss. Und weil er Jesus mit all der Last sicher durch den Fluss getragen hat, soll er nun Schutz auf allen gefährlichen und schweren Wegen geben. Wenn man also unterwegs ist und sicher ankommen möchte, dann ist es gut, an Christophorus zu erinnern.“
„Aber meine Liebe! Glaubst du etwa, dass der uns auf der Autobahn oder im Stau helfen kann?“
„Nein, Schatz! Natürlich hilft uns nicht Christophorus selber. Aber wenn er so am Spiegel schaukelt, erinnert er mich an vieles und hilft mir, besser und sicherer zu fahren.
Siehst du, auf der Autobahn ist das Fahren für mich langweilig. Ich höre Radio, rede mit dir -- wenn du nicht gerade schläfst -- und passe sicherlich nicht immer gut auf. Aber ich will doch gut ankommen mit dir. Und die anderen Leute in ihren Autos rund um mich herum genauso. Und trotzdem sind auch die müde und abgelenkt, werden von quängelnden Kindern genervt und passen nicht immer auf. Daran erinnert mich der Christophorus, wenn er hin und her schaukelt am Spiegel und mich auffordert, wach zu sein. Verstehst Du? Er will ja nicht nur, dass ich allein einen guten Weg habe.
Er steht für die Hoffung, dass Gott uns allen einen guten Weg schenkt, ob wir nun zusammen in den Urlaub fahren oder ganz woanders hin.
Er steht für die Hoffnung, dass ich sicher und gut auf der Strasse unterwegs bin, dass du sicher unterwegs bist und alle die, die neben uns fahren auf der Autobahn ganz genau so. Denn wenn der neben uns nicht sicher fährt, kann mir ja auch etwas passieren.
Er erinnert mich daran, die Geduld zu bewahren, mal den Fuß von Gas zu nehmen, in unübersichtlichen Situationen auf riskante Überholmanöver zu verzichten, andere nicht zu drängeln, mal Pause zu machen und vieles mehr. Und er steht dafür, dass du auch deinen Abschnitt sicher fährst, wenn ich dann neben dir sitze.“
„Na gut, Schatz, dann hängt er in Gottes Namen eben dort am Spiegel. Und wenn er mir durch sein Hin-und-Herschaukeln ins Auge fällt, dann erinnert er mich daran, dass Du uns beiden einen schönen Urlaub wünscht ohne böse Überraschungen. Und ich werde meinen Teil dazu beizutragen.
Also: Friede! – und lass ihn dort hängen.
So, jetzt noch die Tasche mit dem Proviant, dann geht es los.“
Uwe Büttner, Pastor

Gemeindebrief Nr. 187

2016 | Ausgabe 187 | März - Mai

10.05.2017 | 2,1 MiB

Sie sitzen sich am Tisch gegenüber. Die eine strahlt, die andere blickt gespannt. „Nun erzähl schon, was dich so verändert hat!“ „Eigentlich kann man so was gar nicht weiter erzählen. Du wirst mich auslachen. Aber was soll`s, ich tu`s trotzdem! Du weißt, dass es mir in den vergangenen acht Monaten wirklich nicht gut ging. Du warst viel für mich da. Aber so richtig aus dem Loch ziehen konnte mich eigentlich gar nichts…!“

So beginnt die erste Frau zu erzählen, nun wieder ernster. Nachdenklich rührt sie in ihrer Kaffeetasse. Die Freundin hat sich ihr zugewandt, neugierig.

„Du hast dich neu verliebt!“ ruft sie und schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch. Die andere lacht. „Nein, das ist es nicht. Es ist…. Er war bei mir, mein Mann!“ Die Freundin vergräbt das Gesicht in den Händen. „Oh bitte nicht so was!“

„Keine Sorge, ich spinne nicht. Hör mir einfach zu. Ich habe geträumt. Er war da. Es war, als hätten wir uns verstanden und uns nochmal richtig verabschiedet. Er ist auch wieder gegangen. Aber ich konnte ihn loslassen. Es hat nicht wehgetan. Als ich aufwachte, war das erste, was ich fühlte, mein Herzschlag. Ich fühlte, dass ich lebe. Und ich war glücklich. Du kannst sagen, was du willst, aber seither fühle ich mich einfach gut.“

„Das sieht man dir auch wirklich an,“ entgegnet die Andere. „Du schwelgst nicht mehr in Selbstmitleid. Und du bringst mich auch dazu, dass mein Herz höher schlägt. Was Träume so alles bewirken können…“ Die andere rührt wieder in ihrem Kaffee. Ohne den Kopf zu heben spricht sie weiter. „Weißt du, für mich war es nicht einfach nur ein Traum. Es war eine reale Begegnung. Sie hat alles verändert. Du weißt, ich glaube an Gott. Ich bin überzeugt, dass er mir dieses Erlebnis geschenkt hat.“

Liebe Leserin, lieber Leser, spätestens seit der Aufklärung streiten sich Theologen über die Auferstehung. In welcher Hinsicht ist sie wahr? Haben Menschen Jesus wirklich gesehen oder kann man einem Verstorbenen begegnen?

Für die ersten Christen war der auferstandene Christus keine Vision. Und sie schätzten sich schon gar nicht als psychisch verwirrt ein. Für sie war der Auferstandene eine reale Kraft. Vor allem erlebten sie ihn als Kraft, die Angst in ihrer oft feindlichen Umgebung zu bewältigen. Und als Kraft, die zum Handeln befreien konnte.

Auch Martin Luther macht in seiner Osterpredigt von 1533 deutlich, worum es ihm bei der Auferstehung ging.<>p>

Er sagt: „Nicht die Historie sollen wir ansehen, sondern glauben, dass solches alles uns zugute geschehen ist.“ Der Schatz der Auferstehung besteht für Luther darin, dass Gott den trennenden Graben zwischen sich und den Menschen liebevoll überbrückt. Luther weiß aber auch aus Erfahrung, dass dieser ihm so teure Schatz vielen Menschen gar nichts bedeutet.

Das ist damals wie heute so. Menschen finden auch Wege ohne Gott. Von ihm getrennt zu leben, wird von vielen nicht als Notstand angesehen. Es fällt oft nicht schwer, Schuld zu verdrängen oder zu verharmlosen. Und Mittel gegen den Tod gibt es doch in der Medizin. „Es verachte diesen Schatz, wer da wolle, Christus wird doch Menschen finden, die sich darüber freuen!“, resümiert Luther schließlich in seiner Predigt. Das klingt nicht enttäuscht, finde ich, sondern eher gelassen. Schließlich ist es nach neutestamentlichem Wort Gott selbst, der den Glauben weckt. Wir sollten ihm mehr zutrauen, als das, was wir sehen. Und wenn er so langmütig ist mit allen, die den Schatz des Osterfestes einfach nicht erkennen, dann sollten auch wir geduldig sein.

Das heißt aber nicht, dass wir den Schatz nicht zeigen sollten, wenn wir ihn für uns gefunden haben.

Mit österlichen Grüßen
Ihre Pastorin Damaris Fehrking

Gemeindebrief Nr. 186

2015 - 2016 | Ausgabe 186 | Dezember - Februar

10.05.2017 | 2,7 MiB

Umarmen und Umarmen lassen….

„Free Hugs“ stand auf dem Schild und bei jedem der jungen Menschen auf dem T-Shirt. Sie blickten die vorübergehenden Menschen auf der Georgstraße in Hannover aufmunternd an. Und immer wieder trat jemand an die kleine Gruppe heran, wurde mit offenen Armen empfangen, einen Moment in die Arme genommen und ging dann mit einem glücklichen Lächeln weiter seinen Weg.

Immer wieder einmal, seit der Australier Juan Mann 2004 diese Bewegung ins Leben rief, gibt es spontane „Free Hugs“-Aktionen. Sie wollen für Verständnis und menschliches Miteinander werben. Und diese Aktionen tun das tatsächlich sehr effektiv. Denn nach einer Umarmung fühlt sich jeder Mensch zufriedener und friedlicher. Das lässt sich sogar belegen. Umarmungen reduzieren den Blutdruck, beugen gegen Depressionen vor, stärken das eigene Immunsystem und vieles mehr.

Bei jungen Menschen ist es üblich geworden, sich beispielsweise bei der Begrüßung zu umarmen. Ältere sind da deutlich zurückhaltender. Dabei haben wir nichts zu verlieren, nur zu gewinnen. Wenn wir uns häufiger umarmen und umarmen lassen würden, dann wären wir friedlicher, und es ginge uns besser.

Jede Umarmung ist eine Erinnerung an die absolute Geborgenheit, die wir einmal in den Armen unserer Mutter erlebt haben. Dort haben wir ganz am Anfang unseres Lebens Trost erfahren, konnten uns ausruhen, haben Halt gefunden, den wir brauchten, um die vielen ersten Eindrücke des eigenen Lebens zu verarbeiten. Aus diesen Erfahrungen ganz am Anfang wuchs unser Vertrauen in die Welt und in das Leben.

Als Gott zur Welt kam, wie wir es im Advent erwarten und zu Weihnachten feiern, als Jesus geboren wurde, da hat er sich auch erst einmal in die beschützenden und bergenden Arme seiner Mutter, der Maria begeben. Um uns nahe zu sein, lieferte Gott sich uns aus und wurde Mensch, sagt uns unser Glaube. Und Jesus lernte das Menschsein und wurde dabei sicherlich ganz oft und liebevoll von seiner Mutter Maria in den Arm genommen. Denn als er später vom liebevollen Gott-Vater sprach, die Menschen zu Wahrheit aufrief, zu Mitgefühlt und gegenseitiger Hilfe, da hat er in Worten und Taten sein Vertrauen weitergegeben, das so unendlich ist, dass es ihn zuletzt sogar über sein Sterben am Kreuz hinaus trug.

Jesus hat mit seinem Leben gezeigt, was schon beim Propheten Jesaja (66,13) zu lesen ist:
„Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Als Jesus geboren wurde, hatte Gott unsere Welt ganz besonders liebevoll in den Arm genommen. Und dass er bis heute jeden von uns – also auch mich – so liebevoll in den Arm nimmt, ist mir bei meiner Taufe deutlich gesagt worden.

Doch es gibt zu viele Menschen unter uns, die das nicht (mehr) erfahren, Junge und Alte, Einsame und Kranke, Ausgegrenzte und Behinderte, Fremde und Einheimische.

„Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“(Jes. 66,13) steht als Jahreslosung wie eine Überschrift über dem ganzen Jahr 2016.

Als Christen wissen wir, wie gut es uns tut, dass Gott uns liebevoll umarmt und tröstet. Und weil diese Umarmung Gottes allen gilt, dürfen wir als Christen auch keine Grenzen ziehen, sondern können die Umarmung Gottes dort weitergeben, wo Menschen es gebrauchen könnten, einmal umarmt zu werden – zumindest aber eine Hand gereicht zu bekommen.

Wir wissen ja seit dem Anfang unseres Lebens, wie wichtig es ist, Trost zu erfahren, Ruhe zu finden, Halt zu finden, den wir brauchten, um die vielen schlimmen Eindrücke des eigenen Lebens zu verarbeiten.

Aus unseren Erfahrungen ganz am Anfang wuchs unser Vertrauen in die Welt, in das Leben und in Gott.

Geben wir Gottes Umarmung weiter, dann werden mehr Menschen zufriedener und friedlicher. Sie fühlen sich nicht mehr so sehr unter Druck, blicken heller und hoffnungsvoller in den Tag.

Damit helfen wir nicht nur anderen. Damit wird unser ganzes Leben auch für uns selber freundlicher, besser und lebendiger.

Ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes Jahr 2016 wünscht Ihnen Ihr

Uwe Büttner, Pastor

Gemeindebrief Nr. 185

2015 | Ausgabe 185 | September - November

10.05.2017 | 2,3 MiB

Herzlich Willkommen

Unser Gemeindebrief fällt in den Sommer. Viele gehen auf Reisen. Im Reisemonat August muss ich an einen Reisenden denken, ohne den wir wohl nicht wären, was wir sind.
Es gibt jemanden, der seine Reisen unternahm, um Menschen von der Befreiung durch Jesus Christus zu erzählen. Es war Paulus. Viele seiner Briefe an junge christliche Gemeinden finden wir im Neuen Testament. Wenn wir historische Orte wie Athen, Korinth oder Ephesus bereisen, dann kann man sich vorstellen, wie Paulus auf den Marktplätzen stand und predigte. Paulus fühlte sich berufen, die Völker zum Gott Israels zu bekehren. Er ist bis heute bekannt als Missionar der Heiden.
Ab dem Jahr 33 gründete er etwa 20 Jahre lang in Kleinasien Gemeinden, besonders in den großen Städten.
Paulus war ein Städter, ein Kosmopolit, der sich mühelos in der griechisch römischen Welt bewegte. Trotzdem stieß seine Rede nicht immer auf offene Ohren. Der Ausschließlichkeitsanspruch der neuen Religion war in der römisch griechischen Welt schon damals für viele hart zu schlucken, denn damals fand man viele Kulte schick und mixte sich gern von jedem das Beste zusammen. Viele Menschen halten es mit der Religion auch heute noch so. Ein bisschen 10 Gebote von den Juden, ein bisschen Nächstenliebe von den Christen, ein bisschen Wiedergeburt von den Hindus, ein bisschen was aus der Esoterik.
Paulus hatte zwar keine romantische Sicht auf andere Kulturen aber er fand es auch nicht unbedingt schlimm, verschiedene religiöse Gebräuche zu mischen, sofern eins klar war: Es gibt nur einen Gott und Jesus ist Gottes Sohn, der die Welt erlöst hat. Wer ihm vertraut, ist auf der richtigen Spur, ganz gleich, wie die Kleidungs- oder Essgewohnheiten sind. „Wir sind alle eins in Christus“, schreibt er an die Galater.
Paulus hatte Seiten, die wir heute liberal nennen würden: Die Ordnung der christlichen Gemeinde war eine Revolution im Vergleich der antiken Gesellschaftsordnungen. Juden und Griechen an einem Tisch, Frauen und Männer, Sklaven und Freie. Eine Aushebelung aller damaligen sozialen Regeln. Allerdings war für ihn klar, dass diese Gleichheit zunächst nur in der geistlichen Gemeinschaft gelten sollte - Paulus war kein Politiker!
Ich wäre gern einmal dabei gewesen in diesen frühchristlichen Gemeinden. Sicher war es schwer genug, diese grenzüberschreitende Gemeinschaft Wirklichkeit werden zu lassen. Die Briefe des Paulus zeugen von vielen Konflikten.
Aber ich bewundere Paulus um seine Konsequenz, mit der er damals versuchte, diese ganz anderen Gemeinschaften aufzubauen.
Ein mehr als nur ökumenisches Ziel. Eine Herausforderung für uns bis heute. Schon für das Handeln innerhalb der eigenen Kirche.
Mission hat im Laufe der Geschichte einen negativen Beigeschmack bekommen, aus gutem Grund. Mission wurde in der Geschichte der Kirche oft genug machtpolitisch missbraucht. Welche faulen Früchte dies Missverständnis von Mission hervorbringen kann, sehen wir jeden Tag in den Nachrichten. Und die Nachrichten können gewiss dieser Tage auch Reisefreude dämpfen. Wie schön wäre es, wenn die Menschen lernen würden, nach dem Grundsatz des Paulus zu leben:
„Sucht nach dem was verbindet und nicht nach dem was trennt. Sucht, was der Gemeinschaft dient. Jeder diene dem andern mit der Gabe, die er empfangen hat.“ sagt Paulus. In unserer Gemeinde klappt das oft ganz gut, zum Beispiel beim letzten Gemeindefest, das viele musikalische, aber auch andere Gaben ans Licht gebracht hat.
Wenn wir unsere Reisen in die Fremde, unsere Besuche in anderen religiösen Gemeinschaften genauso wie unseren Alltag in der eigenen Gemeinde von diesem Leitsatz des Paulus bestimmen lassen, dann kann unser Zeugnis vor der Welt nichts Schlechtes sein. Eine reine Privatsache muss unser Glaube nämlich auch nicht sein. Wir sollen und dürfen von dem erzählen, was uns treibt, vor allem aber sollen wir aber danach handeln.
Übrigens:
Weil Paulus überzeugt war, dass Gott die Geschichte lenkt, stellte er ihm anheim, was aus den nicht bekehrten Menschen wird. Wir sollten mindestens genauso gelassen sein angesichts der Menschen, die ohne den christlichen Glauben leben möchten!
Seien Sie behütet auf Ihren Reisen!
Ihre Damaris Fehrking, Pastorin