Sinnend vorwärts kommen

Männerpilgern rund ums Steinhuder Meer

Pilgerweg nach Mariensee Foto

Pilgern kann süchtig machen und nach unserer Ankunft in Loccum im letzten Jahr war es deshalb keine Frage, wir werden weiterpilgern. Gut, dass der Pilgerweg Loccum-Volkenroda noch verschiedene Nebenwege hat, von denen einer um das Steinhuder Meer zum Kloster Mariensee führt. So sind am 06. September 2021 in Neustadt 10 Männer auf die gut 75 km lange Runde gegangen. Der Spätsommer hat es gut mit uns gemeint und so konnten die Regensachen gleich zu Hause bleiben. Eine kurze Andacht in der Liebfrauenkirche in Neustadt legt den Schalter um, von Alltag zu Pilgern und den Dingen, die in den nächsten 4 Tagen unsere Zeit und unser Denken bestimmen werden. „Aufbrechen“ war diesmal unser Leitthema, zu dem unser Pilgerbegleiter Klaus Kastmann eine Auswahl an Texten zur Besinnung für Impulse und Andachten zusammengestellt und auch selbst erdacht hat.

„Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.“ Dieses Zitat von Martin Walser hat mir besonders gut gefallen, denn das passt zu mir und meinen Erfahrungen. Wenn es erstmal losgegangen ist, dann geht es weiter und wird immer besser, Schritt für Schritt, Stunde um Stunde. Den Hauptweg haben wir als sehr ruhig kennen gelernt. Hier am Steinhuder Meer ist deutlich mehr los und wir treffen auf eine Spezies, die für uns ganz neu ist; E-Biker. Sie treten oft in größeren Gruppen auf, doch meist gelingt es, durch gegenseitige Rücksichtnahme, einen Zusammenstoß zu vermeiden. Auf dem Weg zum Kloster Mariensee wird es dann doch wieder ruhiger und wir sind beeindruckt, als wir das mehr als 800 Jahre alte Kloster am Mittwochnachmittag erreichen.

Am nächsten Morgen führt uns die Äbtissin, Frau Bärbel Görcke, durch Kirche und Kloster und wir erfahren so einiges über das Klosterleben in alten Zeiten. Heute leben im Konvent noch 6 Frauen nach den Regeln des Zisterzienserordens. Gegen Mittag ziehen wir uns nach einer kurzen letzten Etappe wieder in die Stille der Liebfrauenkirche zurück, um unsere Pilgertour mit Gebet und Gesang zu beenden. Wir gehen gestärkt und voller Freude über die gemeinsamen Tage auseinander, in der Hoffnung auf ein gesundes Wiedersehen.

Denn im nächsten Jahr geht es weiter, dann auf einem neuen Pilgerweg. Die Auswahl ist groß.

Ihr Reinhard Golenia