Liebe Leserinnen und Leser,
„Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben“. Dieses Lied singen wir gerade jetzt wieder mit großer Freude und es gehört zu meinen Top Ten der Kirchenlieder. Geschrieben hat es Paul Gerhardt im Jahre 1653 und es ist wohl das bekannteste seiner Lieder, von denen wir 26 in unserem Ev. Gesangbuch finden.
In diesem Jahr begehen wir seinen 350. Todestag mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungen und Veröffentlichungen. Geboren wurde Paul Gerhardt 1607 in Gräfenhainichen und hat in Wittenberg Theologie studiert. Die Schrecken des 30jährigen Krieges haben also sein ganzes Leben begleitet und geprägt. Dieser Krieg hat in ganz Europa gewütet und in vielen Orten zusammen mit Seuchen, wie der Pest, oft mehr als der Hälfte der Bevölkerung das Leben gekostet. Und trotz allem schreibt er 5 Jahre nach dessen Ende dieses großartige lebensbejahende Lied. Auch seinen unbeirrbaren festen Glauben an Gott hat er trotz des Krieges nicht verloren. Ganz im Gegenteil, Paul Gerhardt sehnt sich nach Gott und in „Befiehl du unsere Wege“ ist er im Gespräch mit Gott und bittet ihn in der letzten Strophe: „Mach End o Herr, mach Ende mit aller unserer Not; stärk unsere Füß und Hände und lass bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsere Wege gewiss zum Himmel ein“.
Da wundert es nicht, dass seine Lieder den Menschen Mut und Hoffnung gemacht haben, weiter zu leben und ihrem Leben einen Sinn gaben. Paul Gerhardt ist bis heute aktuell geblieben und das Gedenkjahr sollte uns Grund genug sein, im Gesangbuch zu blättern und seine Lieder einmal ganz in Ruhe auf sich wirken zu lassen.
Ihr Reinhard Golenia